Vision und Ethik

„Kein Pinselstrich darf dir gleichgültig sein.“

Die Malerei hat mich über vier Jahre hinweg verfolgt, bis ich nachgegeben und begonnen habe zu malen. Schließlich hatte ich schon mehrere Berufswechsel hinter mir und die Aussicht, noch einmal ganz von vorne anzufangen, war zunächst eher abschreckend als verlockend. Denn eines war mir glasklar: Was mich da so lautstark ruft, meint es ernst. Kein Rumgekritzel nach Feierabend, sondern etwas, das einen hohen Aufwand an Zeit, an Mühe, an Geduld und nicht zuletzt auch an Geld erfordert.

Meine künstlerische Inspiration sind Menschen, die aus vollem Herzen und mit Integrität ihre Vision umsetzen. Dazu gehört, als Künstler das eigene Publikum nicht dadurch zu hintergehen, dass man einem bestimmten Geschmack hinterher malt. Dazu gehört auch, jedem Pinselstrich vom ersten bis zum letzten Kraft zu geben. Meine Bilder haben zum Beispiel keine Grundierung im herkömmlichen Sinne, weil auch die allererste Farbschicht bereits Teil des Bildes ist und entsprechend aufgetragen wird.

Der Fluss ist mir wichtiger als die Feinheit der Linie, deshalb wechsele ich den Pinsel nur selten oder gar nicht. Es ist mir buchstäblich unmöglich, eine Maltechnik zu reproduzieren, die nicht reproduziert werden will. So habe ich zwei Bilder („Kristallin“ und „Götter“) gemalt, die ich selbst so gerne mag, dass ich noch mehr in diesem Malstil machen wollte, doch es geht nicht.

Von Zeit zu Zeit muss ich den Ort wechseln um zu malen. Zwei Bilder mussten zwingend in Berlin entstehen, für eine Zeichnung bin ich nach Prag gereist. Ich mag solche Interaktionen. Seitdem ich zeichne, habe ich auch die Möglichkeit, an Orten kreativ zu sein, wo ich nur kurz bin. Ölfarbe trocknet viel zu langsam, um damit mal eben Stadt oder Land zu wechseln.

Als Malerin und als Mensch sind mir Umweltschutz und auch Tierschutz sehr wichtig. Deshalb male ich so ressourcenschonend wie möglich, das geht am besten mit sehr hochwertigen Materialien. Wenn ich Farben auf meiner Palette aus irgend einem Grund nicht mehr brauchen kann, trage ich sie auf mein ‚Restebild‘ auf, meistens mit einem Spachtel. Auf diese Weise entsteht ein Zufallsbild und ich muss keine Farben wegschmeißen.

Ich benutze nur wenige Echthaarpinsel und kein Eitempera. Ich verzichte auf Stifte mit Kunststoffhüllen. Materialschlachten sind ohnehin nicht so mein Ding, ich mache lieber Zeichnungen mit Bleistift oder seit 2018 auch mit Kreide. Ich habe eine Wand in meiner Wohnung teilweise mit Tafelfarbe gestrichen und arbeite seitdem immer mal wieder an der Kreidezeichnung. Hier ein Schnappschuss vom August 2018

 

Gleichzeitig habe ich mir damit den Traum erfüllt, meine oft winzigen Zeichenmuster in groß zu sehen. In Zukunft will ich noch größere Flächen in noch viel größeren Räumen gestalten.